Zahlreiche Berichte über Brände von Elektroautos – was ist dran?

Zahlreiche Berichte über Brände von Elektroautos – was ist dran?

Derzeit sind immer mehr Berichte über Brände von Elektroautos zu lesen, zu sehen und zu hören. Was ist damit los? Brennen tatsächlich so viele Elektroautos? Und sind diese eine Gefahr für die Mitbewohner oder andere abgestellte Autos? Dazu wollte ich mehr wissen und habe einige mit Quellen versehene Fakten zusammengesucht.

Versicherungen und Dekra sehen keine höhere Brandgefahr bei Elektrofahrzeugen im Vergleich zu herkömmlichen Autos

Ja, es hat Brände von Elektrofahrzeugen gegeben. Aber es hat ebenfalls Brände von herkömmlichen Fahrzeugen gegeben, über die allerdings weniger berichtet wird, weil das – sobald niemand verletzt wird und es keine Staus gibt – zwar nicht Alltag, aber auch nichts besonderes ist. Wenn Autos in Deutschland brennen, dann wissen die Versicherungen sehr genau, wie viele es sind. Denn bei ihnen landen die Rechnungen. Und dort ist die Meinung sehr eindeutig, wie es auf der Internetseite des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) heißt in einer Veröffentlichung vom 09.03.21:

Aus unseren Statistiken gibt es keinerlei Hinweise, dass Elektrofahrzeuge häufiger brennen als Autos mit Verbrennungsmotor.

Alexander Küsel, Leiter der Schadenverhütung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

Wegen ihres brennbaren Treibstoffs besäßen Autos mit Verbrennungsmotor im Vergleich zu Stromern sogar eine höhere Brandlast, heißt es in dem Text. Die Versicherer stellen sich gegen das Vorgehen einzelner Kommunen, die Elektroautos wegen einer vermeintlich höheren Brandgefahr aus Tiefgaragen oder Parkhäusern verbannen. 

Tiefgaragen für Elektrofahrzeuge zu sperren, wäre ein Rückschritt beim Ausbau der Elektro-Mobilität in Deutschland.

Alexander Küsel, Leiter der Schadenverhütung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)

Die Sicherheit in einer Tiefgarage hänge von der Qualität des Brandschutzes ab und nicht davon, welche Autos dort parken. Bei allen Antriebsarten könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein defektes Fahrzeug beispielsweise selbst entzünde.

Auch die Dekra, deren Mitarbeiter Fahrzeuge überprüfen, schließt sich dieser Meinung an. In einem Artikel bei Ecomomento vom 24.08.21 heißt es:

Tatsache ist, dass nach unseren Erkenntnissen von E-Autos keine höhere Brandgefahr ausgeht als von konventionell angetriebenen Autos.

Markus Egelhaaf, Dekra-Unfallforscher

Bei Unfallfolgebränden gebe es nach der Erfahrung der Dekra keinen Unterschied im Risiko zwischen Elektroautos und Verbrennern.

Nürnberger Feuerwehr gibt anderen Wehren Tipps für die Löschung von Bränden bei Elektrofahrzeugen

Die Nürnberger Feuerwehr gibt ihren Kolleginnen und Kollegen Tipps, was beim Löschen von Elektrofahrzeugen zu beachten ist. Das Video ist seit dem 26.02.19 bei Youtube anschaubar. Eigentlich Zeit genug, um sich auch in anderen Städten und Orten auf die neue Art des Antriebes vorzubereiten.

Hochtaunuskreis entwickelt einheitliches Schulungssystem für die Feuerwehren und neues Löschkonzept

Der Hochtaunuskreis in Hessen hat für seine Feuerwehren ein einheitliches Schulungssystem entwickelt und am 26.10.21 der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Besonderheit: Ein brennendes Auto wird nach dem Löschen eingewickelt, um es mit Wasser effektiv zu kühlen. Dazu schreibt die Hessenschau:

Gemeinsam mit einem Unternehmen für flexible Behältertechnik wurde eine korbförmige Kunststoffplane entwickelt, in die Einsatzkräfte das E-Auto nach den Löscharbeiten einpacken können und die dann mit Wasser gefüllt wird. Der einmal verwendbare „Recover-E-Bag“ kostet knapp 2.000 Euro. Die Kosten werden von der Versicherung übernommen.

Hessenschau, 26.10.21

Brennende Elektrobusse: In Hannover und München geht man trotzdem nicht von einer Gefahr durch Elektrobusse aus

Unterschiedliche Medien berichteten über brennende Stadtbusse am 30.09.21 in Stuttgart. Mehr als 20 Busse seien dabei in einem Depot in Stuttgart zerstört worden. Staatsanwaltschaft und Polizei Stuttgart stellten fest, dass nach einer ersten Bewertung der vorliegenden Daten, der Ladevorgang eines Elektrobusses Brandauslöser gewesen sein könnte. Noch seien die Untersuchungen allerdings nicht abgeschlossen (Quellen: Electricdrive.net).

Die Münchner Verkehrsgesellschaft nahm deshalb vorsorglich acht Elektrobusse außer Betrieb. Die Maßnahme gelte nur für Busse des gleichen Typs und zunächst nur so lange, bis die Brandursache endgültig geklärt sei (Quelle: Südwestpresse). Wenig später waren die Busse dann wieder im Linienbetrieb unterwegs, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet und den Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft zitiert:

Die Gefahr einer Überhitzung der Batterie kann bei den Fahrzeugen, die wir vorsorglich außer Betrieb genommen haben, ausgeschlossen werden. .

Ingo Wortmann, MVG-Chef, in der Süddeutschen Zeitung, 25.10.21

Am 05.06.21 hatte es bereits in einem Busdepot in Hannover gebrannt. Nach Angabe der Verkehrsgesellschaft Üstra sind neun Busse ausgebrannt, darunter fünf Elektrobusse, zwei Hybridbusse, ein Dieselbus und ein Reisebus (Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung). Die Untersuchungen haben laut Üstra keine Hinweise darauf gegeben, dass von den Elektrobussen aufgrund ihrer Antriebsart eine besondere oder erhöhte Gefahr im Betrieb ausgehe (Quelle: Electricdrive.net). Bis auf einen dürfen die unbeschädigten Elektrobusse inzwischen wieder fahren. Ein Bus des Typs eCitaro bleibt nach Informationen des Internetportals Heise nach einem Rückruf des Herstellers Mercedes-Benz weiter außer Betrieb (Quelle: Heise, 26.10.21).

Brandgefahr – General Motors ruft Elektroautos zurück

Ja, General Motos hat Autos zurückgerufen, weil es von ihnen eine Brandgefahr ausgeht. Doch gilt das nicht etwas für alle Autos von GM und schon gar für alle Elektrofahrzeuge der Welt. Es geht um den Typ Chevrolet Bolt EV. Der Großteil der betroffenen Fahrzeuge wurde in den USA verkauft, der Rest in Kanada. Die Batterien stammen nach Angaben des Autoherstellers von LG aus Südkorea. (Quelle: Zeit). In vielen Posts ist derzeit zu lesen, dass GM auch der Besitzer von Opel sei, um damit Deutschland ins Gespräch zu bekommen. Das ist bereits seit 2017 nicht mehr der Fall. Opel gehört inzwischen zum niederländischen Konzern Stellantis (Quellen: Stellantis und Wikipedia).

Merkur: „Wegen Brandgefahr: Beliebtes E-Auto-Modell darf nur mit 15 Meter Abstand parken“

Der Merkur titelt am 14.10.21 sehr reißerisch, dass eine „beliebtes E-Auto-Model“ nur mit 15 Meter Abstand parken dürfe. Doch schon der erste Absatz klärt dann ein wenig mehr auf:

Das Risiko eines Brandes ist laut ADAC bei Elektroautos auch nicht größer als bei Verbrennern. Etwas anderes ist es, wenn man wie General Motors mit Qualitätsproblemen zu kämpfen hat. Der Akku des Chevrolet Bolt, der weitgehend baugleich mit dem in Europa verkauften Opel Ampera-e ist, hat bereits mehrere Male Feuer gefangen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA spricht insgesamt von mindestens dreizehn Vorfällen. Betroffen sind demnach die Baujahre von 2017 bis 2019.

Merkur, Internetausgabe, 14.10.21

Also: Insgesamt hat es also bislang weltweit 13 bekannte Vorfälle gegeben, bei denen es sich um den in Kanada und den USA verkauften Chevrolet Bolt handelt. Laut Merkur werden die Wagen zurückgerufen, die Akkus ausgetauscht und bis dahin empfehlen die Hersteller Vorsichtsmaßnahmen, darunter auch ein Abstand vom 15 Metern beim Parken. All das trifft zwei Elektroauto-Typen, von dem nur einer in Deutschland verkauft wird. Der Ampera befindet sich übrigens nicht auf der Top 10 der deutschen Elektroauto-Liste, ist insofern nicht ganz so beliebt und verbreitet, wie es der Merkur berichtet.

Quellen

Dieser Beitrag wurde am 25.10.21 veröffentlicht und wird bei Bedarf aktualisiert

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